Nebelhorn

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Tapio Liller  //  Kommunikationsberater, Netzmensch und Frankfurter mit einer Vorliebe für Fotografie (Nikon D90), gutes Essen, skandinavisches Design, Städtereisen und produktive Prokrastination.

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Apr 9 / 6:36am

1&1 Kampagne: Liebe Sueddeutsche.de, Spoofs sind nicht immer ein Zeichen von "Spott"

Doch die Internetgemeinde glaubt die Botschaft nicht so recht - und schüttet kübelweise Spott über den neuen "Leiter Kundenzufriedenheit" aus. Im Videoportal Youtube finden sich unzählige - mal mehr, mal weniger gut gemachte - Persiflagen der bislang erschienenen TV-Spots. Mal ist D’Avis auf Brautschau ("und rechnen kann ich auch, denn eins und eins ist zwei"), dann wird der Misserfolg der Serviceoffensive schon vorweggenommen ("Hallo, ich bin Marcell D’Avis und das ist meine Kündigung"). Auch beim Klingelstreich wird der smarte Manager ertappt.
Der Artikel bezieht sich auf zwei Werbespot-Spoofs: "Marcell Davis sucht eine Frau" und "Marcell Davis wird gekündigt"

Jaja, so ist das mit dem Internet. Da denkt sich eine Werbeagentur was aus, und die Netzbewohner machen einfach was Neues draus. So auch im Fall der TV-Kampagne von 1&1 mit seinem Leiter Kundenzufriedenheit Marcell D'Avis. Es wird gespooft, und persifliert, dass es eine helle Freude ist.

Allein, das Qualitätsmedium Süddeutsche Zeitung, bzw. der Online-Teil, scheint eins noch nicht so recht verstanden zu haben: Spoofs - also Veränderungen oder Parodien bekannter Werbespots - sind mitnichten in jedem Fall als "Spott" oder gar als "PR-Panne" zu sehen, wie es der Autor des obigen Artikels gern hätte.

Wenn ein Spot "Opfer" von Spoofing wird, heißt das zunächst einmal, dass sich jemand sehr intensiv mit dem Unternehmen, der Marke, dem beworbenen Produkt, etc. auseinandergesetzt hat. Dieser Mensch hat kreative Kräfte freigesetzt und Zeit und Mühe in die veränderte Version gesteckt. Meine These: Das macht man nur wenn man sich entweder einer Marke sehr verbunden fühlt und sie im Stillen bewundert oder - im anderen Extrem - sie wirklich von Herzen hasst.

Beides ist für ein Unternehmen zunächst eine Chance. Erstens offenbaren sich Fans und Gegner direkt selbst und werden ansprechbar. Eine Chance, die man sich als Unternehmen im Social Web zu Nutze machen kann. Zum Beispiel, in dem man Humor beweist und den Spoofern ganz offensiv etwas zusätzliches Rampenlicht schenkt. Im Fall des "Marcell Davis sucht eine Frau"-Spoofs wäre das m.E. ohne Weiteres möglich (Ja, ich finde die Version leidlich lustig.). Oder, im Fall des aggressiver neu vertonten Films "Marcell Davis wird gekündigt", könnte man versuchen, den scheinbar unzufriedenen Kunden zu identifizieren und ihm Marcell Davis leibhaftig vorbeischicken (filmisch dokumentiert natürlich).

Der SZ-Autor hingegen sieht in den Filmen nur Spott und Hohn und dreht seine Geschichte, ganz Spiegel-esk so, dass es sich liest, als hätte 1&1 hier einen ernsthaften Schaden erlitten.